“Das Praktikum meines Lebens”


MIAGI.

In einer neuen Miniserie (zu Finden unter dem Tag “Praktikum”) stellt FakeGuru spannende und herausfordernde Praktikumsplätze und deren Praktikanten vor. Den Anfang macht Lukas Onken, Student an der Zeppelin University in Friedrichshafen, der den Sommer über eine Konzertreise für das südafrikanische Jugendorchester ‘MIAGI’ geplant und gemanagt hat. Das Interview findet ihr nach dem Klick.

Wo hast du dein Praktikum gemacht und was waren deine Aufgaben?

Ich arbeite seit knapp drei Monaten bei der Non Profit Organisation MIAGI in Südafrika. MIAGI steht schlicht für “Music Is A Great Investment” und nimmt diesen Slogan sehr ernst. Investiert wird in erster Linie in Kinder und Jugendliche aus Südafrika, die sich der klassischen Musik, dem Jazz aber auch der einheimischen Musik widmen. Dahinter steht der Gedanke durch die Kraft der Musik die soziale Entwicklung jedes Einzelnen, den Zusammenhalt in der Gemeinschaft, aber auch die (musikalischen) Karrierechancen zu fördern. Konkret lassen sich diese langfristigen Ziele z.B. in der Orchesterarbeit wiederfinden. Es gibt ein eigenes MIAGI Jugendorchester, sowei eine MIAGI BigBand. Junge Musiker aus dem ganzen Land, bunt gemischt, kommen mehrmals im Jahr für einige Wochen zusammen, um gemeinsam zu Proben und einige Konzerte zu geben. Diesen Sommer (bzw. Winter in Südafrika) stand die erste große Auslandstournee an. Ziel der Reise: Deutschland.

Meine Aufgabe bestand darin, als Projektkoordinator diese Konzertreise vorzubereiten und durchzuführen. Sechs Wochen Vorbereitungsarbeit im Büro für zehn Tage Deutschland, mit 103 jungen Musikern, zwei Konzerten und einem Dirigenten. Konkret hiess das: Wenig Schlaf, nie müde werdende Musiker, ein ewig ratternder Kopf und eine bodenlose Handyrechnung.

MIAGI Youth Orchestra.

Nun, zurück in Südfrika, kommt in einer Woche das deutsche Bundesjugendorchester sowie das Bundesjazzorchester für fünf Konzerte auf den Kontinent. MIAGI fungiert als Partner und ist verantwortlich für die Planung vor Ort. Dies bedeutet für mich wieder ähnliche Vorbereitungsarbeit. Die Aufregung und auch der Druck steigt. In eine knappen Woche landet der Flieger mit 125 Leuten, sowie grossem Container mit Instrumenten im Gepäck. Und dann geht es auf Tour: Fünf Konzerte in zwölf Tagen. Drei Busse, ein Truck, zwei Vitos und ein Sprinter. 2000 km: Start in Pretoria, Ende in Kapstadt. Ich werde dann gemeinsam mit dem Orchester zurück nach Deutschland fliegen, um mich dann an der Uni vom Praktikum meines Lebens zu erholen.

Was waren deine eindringlichsten Erfahrungen?

Ich nehme unendlich viele Eindrücke aus meiner Arbeit bei MIAGI mit.
Unvergesslich waren für mich die beiden Konzerte in Deutschland. Nach Standing Ovations und dem Ungarischen Tanz Nr. 5 als Zugabe sprangen die Musiker auf, um mit ihrer einheimischen Kwela-Musik Party zu machen. Das gesamte Orchester tanzend auf der Bühne, kurz danach tanzend im Zuschauersaal. Omis wurden auf das Podest geholt um mitzufeiern. Irgendwann fanden sich alle Musiker wieder auf der Bühne zusammen und sangen gemeinsam aus vollster Kehle die südafrikanische Hymne. Mehrsprachig. Mehrfarbig. Arm in Arm. Und das nach 15 Jahren Ende der Apartheid. Das hat mich wahrlich tief bewegt.

MIAGI.

Und daran knüpft die Erfahrung an, dass Musik tatsächlich eine enorme Kraft hat. Eine Kraft, die politisch werden kann, ohne in erster Linie politisch sein zu wollen. Dies macht die Arbeit auch für mich persönlich so bereichernd, sinnvoll und gut. Es ist kein Eventmanagement, an dessen Ende eine grosse Show steht, um Leute zu beeindrucken und applaudieren zu lassen. Was letztendlich während solch eines Konzertes passiert, ist viel mehr. Dieses gemeinsame Musizieren und die Konzerte in Deutschland werden die Kids ihr Leben nicht vergessen. Sie werden auch nicht vergessen, wie man ein deutsches Publikum mit offen gezeigter Lebensfreude völlig verblüffen und vor allem anstecken kann. Und dieses deutsche, gesättigte Konzerthauspublikum wird dieses Jugendorchester aus Afrika mit seiner fast schon unverschämt ehrlichen Freude auch nicht so schnell vergessen. Und ich werde nicht vergessen, dass es sich wunderbar gut anfühlt, für die richtige Sache zu arbeiten.

Verrate uns doch deine drei Tipps, was man neben dem Praktikum unbedingt auch noch machen sollte.

Auf jeden Fall reisen! So viel wie möglich. Man ist ja nicht nur zum Arbeiten im Ausland, sondern auch zum Land und Leute kennenlernen.
Dann sollte man einmal in einer ehrlichen einheimische Vorortdisko abgestürzt sein und sich, Tipp Nr. 3, einmal frisch verlieben.

Verrate uns doch deine drei Tipps, was man neben dem Praktikum auf gar keinen Fall noch machen sollte.

Punkt 1: Krank werden. Wirklich unnötig! NICHT machen!

Punkt 2: Auf jeden Fall sämtliche Hausarbeiten, die man glaubt während des Praktikums schreiben zu können, schon vor Abreise abmelden und absagen. Es hat eh absolut keinen Sinn, auch nur daran zu glauben, dass man dafür einen Kopf haben könnte.

Punkt 3: Bücher für geplante HAs auch gleich zu Hause lassen. Sie erschweren das Gepäck und verursachen horendes Porto, falls irgend ein Fleissiger zu Hause die Dinger vorgemerkt hat.

MIAGI.

Mehr über MIAGI und das Leben in Afrika erfahrt ihr auch auf Lukas Blog oder auf Twitter.

Wenn ihr jemanden kennen, der ebenfalls ein spannendes Praktikum gemacht hat und in diese Serie hier bei FakeGuru gut hineinpassen würde, dann schreibt uns doch einfach.

23. August 2009 | Ein Eintrag von Emu
Mehr von Emu findest du auf Twitter
4 Comments | Tweet this | Find ich super! 1 (Ich auch!)

4 Comments zu "“Das Praktikum meines Lebens”"


  1. Eva - 24/08/2009 um 11:56 pm

    Hej, das ist eine super Idee und ein tolles “Auftakt-Praktikum” – ich bin gespannt auf die nächsten Folgen!

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  2. Tim Tropberger - 02/09/2009 um 2:40 pm

    Ein schöner Bericht mit wunderbaren Fotos.

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  3. David - 02/09/2009 um 5:11 pm

    Hey,

    klasse Idee mit dem Praktikum deines Lebens und Lukas, ich bin beeindruckt!

    “Und daran knüpft die Erfahrung an, dass Musik tatsächlich eine enorme Kraft hat. Eine Kraft, die politisch werden kann, ohne in erster Linie politisch sein zu wollen.”

    Sehr schön :)

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  4. Pingback En medio de Tortillas y Revolucionarios | FakeGuru - 18/10/2009 um 1:07 pm

    [...] Bericht ist Teil einer Serie auf FakeGuru, die spannende Praktika vorstellt. Zuvor berichtete Lukas über sein Praktikum in Südafrika. Alle Berichte sind auch in der rechten Spalte unter dem Thema “Praktikum” zu [...]


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