Kurz notiert: Zweiohrküken.


Ich bin ein großer Freund von Unterhaltungsfilmen. Riesige Explosionen und schmalzige Romanzen gehen absolut klar – Hauptsache Popcorn und Cola sind in ausreichender Menge vorhanden. Heute war wieder so ein Tag, an dem ich mich auf genau so einen Kinoabend gefreut hatte. Denn heute habe ich mir Zweiohrküken angesehen.

Und irgendetwas hat einfach nicht gestimmt.

Mein Hauptproblem war, dass man merkte, dass Regisseur Til Schweiger keinerlei Visionen hat: Der ganze Film und die gewählten Einstellungen wirkten wie eine wahllose Aneinanderreihung von Dekopostern und schlechten Fashionfotografien. Die Wohnungen der Darsteller – von Ludos Loft bis hin zur Stadtwohnung der sexsüchtigen Lana (“Ließ es von hinten, dann kannst du es dir vielleicht besser merken”) – wirkte wie der filmgewordene Ikeakatalog. Ich habe mich ständig gefragt, wann das erste Preisschild auftaucht. Es war alles einfach zu steril und mitunter so ‘polished’, dass es schlichtweg auffiel. Ganz schlimm wurde es am Schluss: Wir sehen einen einsamen Mann auf einer Düne. Eine Frau im Sonnenuntergang auf einer Schaukel. Ein altes Haus am Meer. Und vor meinem geistigen Auge taucht Til auf, wie er folgenden Satz sagt: “Einfach auch Mal eine Szene, die Kunst ist. Das wär’ dufte. Wirklich.”

Ihr dürft mich nicht falsch verstehen: Ich hatte viel Spaß bei dem Film. Ich würde auch nicht sagen, dass es sich nicht lohnt, den Streifen anzusehen. Nur hatte ich eben die ganze Zeit das Gefühl, hier versucht jemand zwanghaft “schöne Bilder” zu kreieren, ohne es zu wirklich zu können. Hätte man das gelassen und einfach einen Standard-Kitschfilm gedreht – ich hätte das Popcornkino umsomehr genießen können.

10. December 2009 | Ein Eintrag von Emu
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4 Comments zu "Kurz notiert: Zweiohrküken."


  1. anna-lena - 10/12/2009 um 10:46 am

    also ich fand es zwischendurch auch mal richtig bescheuert… ich mag solche Szenen nicht wo man sich an den Kopf fasst und denkt “oh nein..!” und es zudem noch ekelhaft wird. (Scheiße mit dem Staubsauger aus dem Klo saugen und anschließend in der Plastiktüte vergessen).
    Außerdem hatte ich das Gefühl, dass sämtliche Emotionen in die letzten 15 Minuten gequetscht waren.
    also, muss man meiner Meinung nach wirklich nicht gesehen haben… Werden sich aber trotzdem sehr viele anschauen… :D

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  2. Emu - 10/12/2009 um 1:44 pm

    Auf jeden Fall! Die Leute rennen die Kinos ja quasi ein. Ist auch nicht verwunderlich, nach dem Erfolg des ersten Teils ;)

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  3. Palmundo - 11/12/2009 um 3:07 am

    Ich habe mir den Film noch nicht angeschaut. Kinogeld wird er auch nicht von mit bekommen. Irgendwann filmmert der Film bestimmt über meinen Weg, aber bis dahin lese ich mit Freuden die Berichterstattung über den Film.
    Spiegel hat nacheinander einmal ex ante und dann ex post des box office release etwas geschrieben. Es lohnt sich den ersten Teil, ein Interview mit Til Schweiger, mit der schon angekündigte Filmkritik zu lesen. Letzteres findet sich anschließend im zweiten Teil, der Filmkritik. ;-) Für die Journalisten war im Film keine Kunst zu finden.
    Ex ante: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,664363,00.html
    Ex post: http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,664998,00.html

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  4. Emu - 11/12/2009 um 12:59 pm

    @Palmundo: Yay – die Spiegel-Kritik kennt keine Gnade ;) Ich finde vor allem das Interview relativ aufschlussreich. Ganz besonders diesen Absatz:

    “SPIEGEL: Aber Sie haben doch auch einen künstlerischen Ehrgeiz.

    Schweiger: Den verwirkliche ich auch. “Keinohrhasen” und “Barfuß” sind für mich sehr künstlerische Filme. (…)”

    Genau das meinte ich: Er versucht das umzusetzen, was er für ‘Kunst’ hält, und scheitert leider kolossal daran. Er sollte es gar nicht erst versuchen – seinen Filmen würde es sicherlich besser bekommen.

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