Nachdem ich das Video “Sound Sculptures & Installations” des Schweizer Künstlers Zimoun für zwei Minuten gesehen hatte, schloss ich meine Augen. 50 kleine Motoren, akkurat aufgehängt an drei Wänden, erzeugten eine Klangkulisse, die so täuschend echt an prasselnden Regen heranreichte, dass sie mich kurz ins Träumen versetzte.
Doch in dem Moment, in dem ich mir über mein Wegtreten bewusst wurde, schrak ich auf: 50 ‘künstliche‘ Motoren simulieren ‘orgainsches‘ Regenwasser so perfekt, dass ich sogar zu Träumen anfange? Das fühlt sich noch immer ein wenig falsch an. Beinahe unheimlich. Als wären Technik und Natur eine unheilvolle Verbindung eingegangen.
Es ist dieses Spiel mit vertrauten – ja, fast liebgewonnenen – Geräuschen und dem Fakt, dass diese von sichtbar (!) künstlichen Apparaten erzeugt werden, der Zimouns Arbeit so überzeugend macht. Tagtäglich leben wir mit ‘unorganischen’ Geräuschen und Tönen, so dass wir aufgehört haben, deren Herkunft zu hinterfragen. Zimouns Werk ist keinesfalls wertend, doch seine verspielten Apparate machen den Eingriff der Technik in unsere persönliche Sinnesumwelt noch einmal ganz deutlich.
The rules of a game, the kinds of interactions that a game puts you into, is the meaning of life for that game. And the meaning of life in World of Warcraft is that you’re some schmo who doesn’t really have anything better to do than sit around pushing a button and killing imaginary monsters that are meaningless. It also says it doesn’t really matter whether you’re smart or adept at trying to get ahead in the system because what really matters is how much time you sink in (because of all the artificial constraints on you). That also says you don’t need to do anything exceptional because to feel good, to be rewarded, all you need to do is run the treadmill like everyone else.
‘As cinema matured, films developed the power to transform as well as to entertain. Video games are poised to enter a similar golden age.’ As a designer, I [Jonathan Blow; Anmerkung Emu] want to see that golden age. I want to see us harness this power to transform society that Daniel Radosh [Journalist, NYT; Blow bezieht sich hier auf diesen Artikel; Anmerkung Emu] also wants to see. I’m a designer now because once a long time ago I was a gamer. I was a little kid who loved games; I played a lot of games. And I feel like I’ve grown up, I’m a smarter and wiser and a more experienced person now. Games are a lot bigger but they haven’t really grown. They haven’t kept pace with me. As a player I have this desire to be transformed like Daniel Radosh mentioned but I’m not getting it. At least not most of the time. — Jonathan Blow, 2007
Auch wenn die obigen Zitate von einem Vortrag stammen, der bereits drei Jahre alt ist, so haben sie dennoch nichts an Aktualität verloren. Seit einiger Zeit laufen Videospiele der Filmindustrie immer wieder den Rang ab, wenn es um Umsatzstärke geht – doch so sehr ich es mir auch wünsche, die ‘Kunstform’ Computerspiel, besteht leider immer noch nur in Ansätzen.
Ich lege Jonathan Blows Vortrag (hier als Audio, hier als Transcript) jedem sehr ans Herz, der sich selbst schon einmal dabei ertappt hat, wie er den Controler aus der Hand legt und sich fragt, was er die letzte Stunde eigentlich getan hat.
‘El Baile Aleman’ von Coyu & Edu Imbernon wummert aus den Boxen, während ich Textbaustein-Tetris spiele. Viele können mit Musik im Hintergrund nicht arbeiten, geschweige denn denken. Ich kann es. Beim Tippen fühlt es sich an, als würden meine Finger im Gleichklang des Taktes auf der Tastatur tanzen. Aber das kann auch einfach an meinem kaum vorhandenen Rhythmusgefühl liegen. Egal.
Ich schreibe Bewerbungen für ein Praktikum im Sommer und da kann Musik die ein wenig pusht nicht schaden. Denn der Prozess des Bewerbungsschreibens hat etwas gänzlich unbefriedigendes an sich: Es ist ein Spiel mit Floskeln, die alle mehr oder weniger dubiosen Standards (“Your ultimate guide on how to write the perfect cover letter“) entsprechen und die so oder so ähnlich von der Gegenseite auch vielfach vorausgesetzt werden. Kreativitätstot auf Raten – Satz für Satz.
Wir spielen dieses Spiel vor allem dann mit, wenn es um Bewerbungen für Unternehmen, Projekte oder ähnliches geht, die uns nicht wirklich interessieren. Bei denen wir uns bewerben, weil wir bestimmten Zwängen (Pflichtpraktika, anyone?) unterliegen – und sei es nur aus Angst, den vermeintlichen Anforderungen an den eigenen Lebenslauf nicht gerecht werden zu können.
Doch was, wenn man wirklich für eine Praktikumsstelle brennt? (weiterlesen…)
Sébastien Tellier ist unmöglich. Seine bisherigen Videos sind im besten Fall trashig, seine Lieder allerschlimmster Pop und Fotos von Sébastien himself schaut man sich besser nicht an. Und doch – vielleicht auch genau deshalb – fahre ich ziemlich auf den französischen Künstler ab. Das dürft ihr grenzwertig finden, aber dafür gibt es jetzt auch ein Video zu sehen, in dem ein weiblicher Po die Hauptrolle spielt. Das ist wenigstens für die Hälfte aller Besucher eine Entschädigung.
Aber: Awesomeness doesn’t stop here. Das Künstlerduo Mrzyk & Moriceau, die auch für das Po-Video verantwortlich sind, haben in Zusammenarbeit mit Sébastiens Label “Record Makers” eine ziemlich abgefahrene iPhone-App gebastelt. Zu Soundeffekten von Mr. Oizo schiebt man mit dem Finger Zeichnungen zu immer wieder neuen Werken zusammen. Das ist zwar sinnbefreit, macht aber Spaß.