Ich bin ein großer Freund von Unterhaltungsfilmen. Riesige Explosionen und schmalzige Romanzen gehen absolut klar – Hauptsache Popcorn und Cola sind in ausreichender Menge vorhanden. Heute war wieder so ein Tag, an dem ich mich auf genau so einen Kinoabend gefreut hatte. Denn heute habe ich mir Zweiohrküken angesehen.
Und irgendetwas hat einfach nicht gestimmt.
Mein Hauptproblem war, dass man merkte, dass Regisseur Til Schweiger keinerlei Visionen hat: Der ganze Film und die gewählten Einstellungen wirkten wie eine wahllose Aneinanderreihung von Dekopostern und schlechten Fashionfotografien. Die Wohnungen der Darsteller – von Ludos Loft bis hin zur Stadtwohnung der sexsüchtigen Lana (“Ließ es von hinten, dann kannst du es dir vielleicht besser merken”) – wirkte wie der filmgewordene Ikeakatalog. Ich habe mich ständig gefragt, wann das erste Preisschild auftaucht. Es war alles einfach zu steril und mitunter so ‘polished’, dass es schlichtweg auffiel. Ganz schlimm wurde es am Schluss: Wir sehen einen einsamen Mann auf einer Düne. Eine Frau im Sonnenuntergang auf einer Schaukel. Ein altes Haus am Meer. Und vor meinem geistigen Auge taucht Til auf, wie er folgenden Satz sagt: “Einfach auch Mal eine Szene, die Kunst ist. Das wär’ dufte. Wirklich.”
Ihr dürft mich nicht falsch verstehen: Ich hatte viel Spaß bei dem Film. Ich würde auch nicht sagen, dass es sich nicht lohnt, den Streifen anzusehen. Nur hatte ich eben die ganze Zeit das Gefühl, hier versucht jemand zwanghaft “schöne Bilder” zu kreieren, ohne es zu wirklich zu können. Hätte man das gelassen und einfach einen Standard-Kitschfilm gedreht – ich hätte das Popcornkino umsomehr genießen können.
Mittlerweile kennt ihr ja meine Schwäche für tolle Animationen, Zeichentrick und dererlei mehr. Und so kann ich auch nicht anders, als euch den nachfolgenden Film sehr, sehr ans Herz zu legen. Denn mit “The Lighthouse Keeper” haben Gaëlle Thierry, Jérémie Moreau, Rony Hotin, Baptiste Rogron, Maïlys Vallade, und David François von der französischen Gobelins Schule für visuelle Kommunikation ein kleines Meisterwerk abgeliefert.
Ohne viel weiter Worte flogen nun knappe drei Minuten Spannung und großes Kino auf viel zu kleinen 500 x 275 Pixeln.
Ich bin gerade über zwei Videos gestolpert, die so crazy sind, dass ich noch gar nicht weiß, wie ich sie in den nächsten Zeilen überhaupt beschreiben soll. “Experimentell” ist auf jeden Fall ein gutes Wort um damit anzufangen.
Der erste Kurzfilm “Onedreamrush” des Design-Studios Universal Everything sieht nicht nur so aus, als würde er versuchen einen Vodka-Trip zu visualisieren – nach dem dritten Mal ansehen fühlt er sich auch so an!
Die abstrakten Bilder, das ständige Flimmern und die überaus verstörende Sounduntermalung erinnern stark an Processing-Filme. Und das kommt sicherlich nicht von ungefähr – immerhin erfreuen sich solche computererzeugten Filme im Internet wachsender Beliebtheit. Doch bei keinem Vertreter dieses Genres hatte ich bisher das Gefühl, von Ton und Bild so mitgerissen zu werden.
Bei dem zweiten Film handelt es sich eigentlich um ein Musikvideo. Eigentlich. Denn Musikvideo meint in diesem Kontext, dass man die folgenden sechs Minuten nie ganz genau weiß was passiert. Das der finnische Musiker Vladislav Delay (mit bürgerlichem Namen Sasu Ripatti) sein Album “Tummaa” und eben auch diesen Track auf einer einsamen Insel irgendwo in der Arktis (!) komponiert hat, mag hier einiges zur Erklärung beitragen.
“Tummaa means dark or darkness, which reflects the music on the album,” he [Sasu Ripatti] says. Part of this track’s darkness is born of confusion: “Toive” sounds electronic, but it isn’t. Tummaa features Ripatti on percussion, Agentina’s Lucio Capece on clarinet and saxophone, and Scotland’s soundtrack composer Craig Armstrong on piano and Rhodes. This particular track is a melding of percussion, Rhodes and creepy feedback.
Oder kürzer: It’s simply awesome. Punkt.
(Die Filme habe ich bei today and tomorrow und yesyesyall entdeckt. Und weil beide Seiten überawesome sind, habe ich sie auch gleich in die Blogroll aufgenommen.)